In der Königsklasse: Da oben gefällt es mir
Man kann meinen Weg in die Formel 1 nicht unbedingt geradlinig nennen, was aber nichts daran ändert, dass er mich doch in die Königsklasse führte.

Beim Großen Preis von Brasilien 1994 war es soweit: Mein erster Grand Prix stand an. Ein fünfter Startplatz im Renndebüt, die ersten beiden Punkte im zweiten Lauf im japanischen Aida - so konnte es meiner Meinung nach weitergehen. Hinzu kam ja noch, dass ich nicht für irgendein Team fuhr, sondern für Sauber-Mercedes. Teamchef Peter Sauber, der mich ja noch aus den Mercedes-Junior-Zeiten her kannte, hatte mir die Chance einer Formel 1-Testfahrt gegeben, und nun gehörte ich zu seiner Truppe. Peter hatte das damals - natürlich zusammen mit Mercedes - gegen eine ganze Reihe von Widerständen durchgesetzt. Wirklich nicht alle waren von dieser Fahrerwahl hellauf begeistert.

Doch diese Themen gerieten ganz schnell in den Hintergrund. Denn 1994 wurde zu einem der kritischsten Jahre der Formel 1-Geschichte. Imola, der Tod meines Freundes Roland Ratzenberger und meines Idols Ayrton Senna waren tragische Tiefpunkte. Zwei Wochen später, beim Training zum Großen Preis von Monaco, verunglückte auch noch mein Teamkollege Karl Wendlinger schwer - man musste den Motorsport schon sehr lieben, um nicht daran zu verzweifeln. Ende 1994 lehrte mich noch ein weiteres Kapitel. Mit der Überschrift "Politische Fallstricke". Mercedes und Sauber trennten sich. Ich blieb im Schweizer Team, startete 1995 aber mit einem Ford-Motor.

Statt also kontinuierlich aufzubauen, fingen wir wieder bei Null an. Umso größer meine Freude, dass es beim Großen Preis von Italien mit einem dritten Platz zu meinem ersten Auftritt auf dem Podium reichte. Da oben gefiel es mir...

Das war eine Erkenntnis, die mich 1996 nicht unbedingt weiterbrachte. Nach sieben Punkten im Premierenjahr und einem neunten Platz (15 Punkte) 1995 in der Fahrer-Wertung war mein drittes Sauber-Jahr die erste Saison, in der es nicht weiter bergauf ging.

Trotzdem habe ich gute Erinnerung an diese Karriere-Station. Gelang meinem Manager Ortwin Podlech und mir immerhin eine ganz spezielle Unterschrift. Und zwar unter einem Williams-Vertrag.

Schon 1994, unmittelbar nach dem Tod von Ayrton Senna, hatte Frank zu mir Kontakt aufgenommen. Damals konnte ich aber beim besten Willen nicht das Team von Peter Sauber verlassen - dem Mann, der mir gerade erst die Formel 1-Chance gegeben hatte.

Jetzt nun hatte es doch noch geklappt. Nun als Nachfolger des frisch gebackenen Weltmeisters Damon Hill. Mir war von Anfang an klar, dass diese Ausgangsposition nicht die einfachste sein konnte. Weder für die englischen Medien, noch was die Erwartungen besonders aus deutscher Richtung anging. Letztendlich verlief die Saison 1997 exakt so schwierig, wie ich es mir vorgestellt hatte. Eine ganze Reihe von technischen Defekten, aber auch die Schwierigkeiten, sich in ein wesentlich größeres Team einzuarbeiten, ließen in den ersten Rennen die erhofften Ergebnisse ausfallen. Erst der Premieren-Sieg in Imola zeigte beiden Seiten, dass wir auf dem richtigen Weg waren.

Besonders die zweite Hälfte der Saison war dann sehr befriedigend für mich. Ich war Stammgast auf dem Treppchen und konnte meinem Teamkollegen Jacques und dem Williams-Team beim Erreichen des Fahrer- und des Konstrukteurs-Titels helfen. Letztendlich sprang für mich in meinem ersten Williams-Jahr auch noch der Vize-Titel raus.

Da dieser Titel eigentlich nur wegen der Disqualifikation von Michael Schumacher zustande kam, bilde ich mir auf diese Bezeichnung also nicht all zuviel ein. Trotzdem, dieser Titel hatte einen Vorteil. Ich konnte ihn wunderbar benutzen, wenn man mich fragte, was ich 1998 erreichen wollte. Meine Antwort war stets die selbe: Nicht all zu viel, ich wollte mich eigentlich 1998 nur um einen Platz verbessern.

Doch selbst das war leichter gesagt als getan. Besonders, wenn da zwei McLaren-Mercedes an der Spitze alles in Grund und Boden fahren. Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ein dritter Platz beim Auftaktrennen in Australien das beste Ergebnis 1998 bleiben sollte. Es soll auch an dieser Stelle nicht verheimlicht werden, dass teamintern bei Williams nicht alles zum Besten lief.

Für 1999 brauchte ich ein Cockpit, mit dem man an alte Erfolge anknüpfen konnte. Als mein ehemaliger Formel 3000-Teamchef Eddie Jordan mir einen Platz in seinem Jordan anbot, griff ich zu. Ich hatte noch eine Rechnung mit der Formel 1 offen.

Das war ein Glücksgriff, was sich schon beim ersten Rennen in Australien zeigte. Ich wurde Zweiter. Es lief in dieser Saison sensationell. Auf und neben der Piste. In Frankreich und Italien konnte ich meine WM-Siege zwei und drei einfahren. Tanja und ich haben vor dem Finalrennen in dieser Saison noch geheiratet. Schließlich belegte ich 1999 am Ende den dritten Platz. Ein Ergebnis, das viele selbst ernannte Experten und Kritiker verblüffte.

Für mich sollte das nur ein Vorgeschmack auf die Saison 2000 sein, in der ich zusammen mit Jordan den Sprung nach ganz oben schaffen wollte. Doch wir hatten ein paar Zuverlässigkeitsprobleme, und das Auto war auch nicht so schnell, wie wir es erwartet hatten. Zu Buche standen am Ende zwei dritte Plätze in Brasilien sowie beim GP USA.

2001 sollte alles besser werden. Das wurde es nicht. Nach großen Querelen schickte mir mein Teamchef Eddie Jordan wenige Tage nach dem GP Großbritannien eine Kündigung per Fax ins Haus. Da war ich mitten in der Saison beim Großen Preis von Deutschland plötzlich Zuschauer.

Doch bereits ein Rennen später hatte ich ein neues Cockpit gefunden. Als Nachfolger für Jean Alesi im Team von Alain Prost. Dass ich ausgerechnet in Spa auf der schwierigsten Strecke im Kalender einen vierten Startplatz mit dem nicht gerade als Topauto bekannten Prost herausholte, hat Spaß gemacht. Überhaupt hätte die Sache mit Prost etwas werden können. Die Jungs hatten Ehrgeiz und Potenzial, ich habe mich mit Alain bestens verstanden. Jedoch mussten sie noch vor Saisonbeginn 2002 wegen Finanzproblemen die Türen schließen.

Also nahm ich ein Angebot von Tom Walkinshaw an, bei seinem Team OrangeArrows zu fahren. Wieder keine Top-Adresse, aber auch ein großes Potenzial. Was wir dann zwei sechsten Plätzen in Spanien und Monaco auch unter Beweis stellten. Jedoch: Auch diesmal kreiste der Pleitegeier. Und er schnappte zu. Nach meinem Heim-Grand Prix in Hockenheim traten wir nicht mehr an.

Während meines Zwangsurlaubs hatte ich dann reichlich Zeit, mich nach einem guten Team für 2003 umzusehen. Als mein erster Teamchef Peter Sauber anrief, musste ich nicht lange überlegen. Wir hatten dann noch in der Saison 2002 die Gelegenheit, uns ausführlich zu beschnuppern, weil er mich bat, beim GP USA für Stammfahrer Felipe Massa einzuspringen.

Und so schloß sich der Kreis. 2003 fuhr ich in meinem zehnten Formel 1-Jahr wieder bei Sauber fahren. Bei dem Team, wo 1994 alles begann.

Der dritte Platz beim GP USA war dann doch nochmal ein schönes Highlight vor meinem Wechsel zu Opel in die DTM.

 

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