Die
frühen Jahre: Aus der Sackgasse in die Formel 1
Wie heißt es doch so schön: Irgendwann muss sich
rausstellen, ob der Frosch Haare hat oder nicht. Soll für einen
Rennfahrer heißen: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man sich
ernsthaft fragen muss, wie es denn nun weitergehen soll. Ist Motorsport
für mich eine spannende Sache, aber eher mit Hobby-Charakter. Oder ist
Motorsport die ultimative Leidenschaft, der man alles andere unterordnen
will.
Spätestens, wenn es in die Formel 3 geht, muss man diese Frage für
sich beantworten. Denn hier treten Kosten auf, die beim besten Willen
nicht mehr aus eigener Tasche oder mit kleineren Sponsoren zu bestreiten
sind. Hier braucht man starke Partner und finanzkräftige Teams und alle
können von einem erwarten, dass man immer sein Bestes gibt.
1989 war es also so weit: Mit dem Schübel-Team und unterstützt von
der ONS-Nachwuchsförderung ging es um die Deutsche Formel
3-Meisterschaft. Meine Konkurrenten damals hießen Karl Wendlinger,
Michael Schumacher und Michael Bartels.
Die Meisterschaft hatte ein denkwürdiges Finale, das Michael und
mich punktegleich mit nur einem Zähler Rückstand auf den neuen
deutschen Meister Karl Wendlinger sah. Vielleicht kriegt das ja einer
raus: Aber hat es schon mal eine Meisterschaft gegeben, in der die
ersten drei noch knapper zusammenlagen?
1989 war noch aus einem anderen Grund denkwürdig: Jochen Neerpasch,
der damalige Sportchef von Mercedes, verpflichtete Karl, Michael und
mich als Junior-Team für die Sportwagen-Weltmeisterschaft. War das ein
Sprung: Von den 170 PS starken Formel 3-Flitzern auf die über 800 PS
starken Silberpfeile.
Parallel zur Sportwagen-Meisterschaft stieg ich in die Formel 3000
ein. Im Team des aktuellen Meisters Jean Alesi. Teamchef war ein
gewisser Eddie Jordan, mein Kollege hieß Eddie Irvine.
Zwei Jahre lang fuhr ich in der Formel 3000. Ganz ehrlich: Die
Erfolge hielten sich in Grenzen.
Man hätte damals wie heute lang und breit erklären können, woran
das lag: falsches Chassis, Teams mit zu vielen Fahrern, nicht die
richtigen Berater und was weiß ich noch alles.
Heute interessiert das keinen mehr und schlimmer noch: Damals noch
viel weniger. Die Ergebnisse fehlten, und plötzlich fehlte ich im
Startfeld. Anfang 1992 stand ich da und hatte keinen Vertrag. Keine
Formel 3000, keine Sportwagen-Rennen, erst recht nicht Formel 1. Für
einen, der sich bis dahin als Profi verstand, konnte das nur eins heißen:
Ich war arbeitslos. Ich kann Ihnen verraten: Das war damals eine
verdammt bittere Zeit.
Zweierlei holte mich aus dieser Sackgasse wieder raus. Erstens ein
kleiner Strohhalm, nach dem man in der Not griff. Und zweitens eine
riesengroßer, baumdicker Strohhalm.
Zum einem gab es für mich ein paar sporadische Rennen in der
Sportwagen-WM. Das Team hieß Euro-Racing, setzte einen Lola ein, der
beim besten Willen gegen die Werksteams nicht konkurrenzfähig war. Aber
wenn einem Verdurstenden in der Wüste etwas zum Trinken angeboten wird,
fragt der auch nicht danach, ob die Mineralwasser-Marke die richtige
ist...
Und dann kam Japan: Der dort in der Formel 3000 führende Volker
Weidler hatte nach einem schweren Unfall ein Ohrenleiden bekommen, das
ihn zur Aufgabe des Motorsports zwang. Und jetzt kommt das Unglaubliche:
Obwohl Volker und ich uns gar nicht so eng kannten, empfahl mich der
Unglücksrabe bei seinem Teamchef als Nachfolger. Deswegen an dieser
Stelle und weil ich weiß, dass Volker ein Computer-Fan ist: Volker,
noch einmal vielen Dank.
Die Empfehlung klappte, und ich bekam den Drive in Japan. Formel
3000, Einsätze in der nationalen Sportwagen-Meisterschaft und jede
Menge Testfahrten für Bridgestone. Auf einem Tyrrell-Mugen Formel 1.
Nicht schlecht für einen Ex-Arbeitslosen. Plötzlich war ich wieder im
Geschäft. So sehr im Geschäft, dass der Sprung in die Formel 1 zur
Diskussion stand. Zumindest als klitze-kleiner Hoffnungsschimmer. Aber
das ist eine ganz andere Geschichte, die ich Ihnen im nächsten Kapitel
erzähle...
|
 |
1989
1990
1991
1992
1993
|
 |
 |